Muschifunk Edition – Liebe geht raus! (Mein erster Frauenkreis)

Sexuelle Probleme können physischer als auch psychischer Natur sein. Psychologisch haben wir oft innere Blockaden, ungelöste Konflikte und Ängste, die uns belasten und uns hindern wirklich frei unsere Sexualität zu leben. Uns voll und ganz hinzugeben. Der warnenden Stimme vor dem Kontrollverlust entgegen zu treten. Ich will frei von diesen Zwängen sein und werde aktiv. Daher führt mich mein Weg diesen Mittwoch zum Damen-Holon der Muschifunk-Edition (www.liebegehtraus.de).

Zu Beginn

Es ist 18 Uhr und ich betrete den Wirkungskreis Berlin. Ein leichter ätherischer Duft liegt in der Luft. Ich fühle mich gleich wohl. Die Räumlichkeiten sind stilsicher und liebevoll gestaltet. Zögernd betrete ich den Seminarraum, aber ich werde von vielen Lächeln begrüßt und suche mir sogleich einen Platz in dem mit Decken und Kissen ausstaffierten Raum. In der Mitte des Deckenkreises stehen für unser Willkommen schon Kerzen, Wasser und Tee bereit.

Kurze Zeit später betreten die Veranstalterinnen Katja Wolf, Marlen Hennig und Nadin Weisze den Raum. Es geht los mit einer kleiner Vorstellungsrunde. Unproblematisch. Dann wird das Thema des Abends eröffnet: „Männlichkeit“. Na toll, aber ich wollte doch etwas über meine Weiblichkeit lernen. Ich bin leicht verstimmt. Naja, aber es wird bestimmt trotzdem ein angenehmer Abend und dann komme ich einfach nochmal her.

Meditation für Selbstliebe und Spüren der Weiblichkeit

Als nächstes wollen mir meditieren. Katjas Stimme führt uns. Wir atmen tief und bewusst. Ich versuche mich zu entspannen. Katja redet von unserem Schoß, wir sollen in unsere Gebärmutter hineinatmen. Ich fühle mich hilflos. Wo genau ist meine Gebärmutter? Eher vorne, eher hinten, auf welcher Höhe? Ich stelle sie mir in etwa auf der Höhe des Beginns meiner Schambeharrung vor und versuche dort hin zu atmen.

Jetzt spricht Katja von gelben und roten Farben, vom Licht in unserem Inneren, welches anfängt zu strahlen. In mir ist es immer noch schwarz. Ich sehe kein Licht oder irgendwelchen Farben. Naja, aber ich kann ja trotzdem versuchen dabei zu entspannen.

Nun sollen wir unsere Brüste anfassen und ihre Weichheit spüren. Unsere Brustwarzen wahrnehmen und unseren Atem in die Brüste lenken. Ich komme mir ein klein wenig dämlich vor, aber wenn alle das machen, ist es nicht so schlimm und man gewöhnt sich sicher daran. Die Atemzüge werden tiefer und lauter. Ich höre einzelnes Stöhnen um mich herum. Ich komme mir unglaublich dämlich vor. Das einzige, was in mir aufsteigt ist Wut. Eine irrsinnige Wut, darauf, dass die anderen sich gehen lassen können, scheinbar sogar Lust empfinden, nur ich mal wieder nicht. Meine Kehle fühlt sich an wie zugeschnürt. Ich könnte vor Wut weinen und hoffe, dass alles schnell vorbei ist. Ich atme nur noch flach und wünsche mich hinfort.

Eine gefühlte Ewigkeit später ebbt das Stöhnen und laute Atmen langsam ab. Gott sei Dank. Nun müssen wir auch noch darüber sprechen. Es ist mir unangenehm, aber ich gebe zu, dass ich keine Freude empfinden konnte, nur Wut, mehr und mehr Wut, und Trauer. Katja bohrt nach, tiefer, drängt mich, mich nicht länger gegen meine Gefühle zu sperren, sie nicht zu unterdrücken. Ein bisschen wehre ich mich noch. Die Mauer ist hoch. Jahrelang wird uns antrainiert, dass Tränen ein Zeichen der Schwäche, der Unprofessionalität sind. Ich kämpfe, für mich, gegen meinen inneren Widerstand. Die erste Träne rollt, dann noch eine zweite. Ich bin irgendwie glücklich. Ich bin froh, dass ich weinen kann. Es nimmt mir eine kleine Last von meinen Schultern.

Die anderen Frauen berichten auch von ihren Empfindungen. Nicht alle sehen Licht oder spürten Freude. Ich fühle mich nicht mehr so alleine.

Männerhass und Ekstase

Nun steigen wir ins Thema ein. Männerhass, ein starkes Wort. Es schwingt viel Unsicherheit mit, Wut, Unmächtigkeit, Missachtung. Wir imaginieren unsere männlichen und weiblichen Ahnenreihen. Manche Frauen fühlen sich eher durch die Weiblichkeit verraten. Wir werfen unsere Empfindungen sprechend „in ein Feuer“. Wir möchten den Schmerz, die Vorurteile und Lasten der Vergangenheit loswerden, um neuen Begegnungen unvoreingenommener entgegentreten zu können.

Anschließend tanzen wir. Es ist eine wilde, ekstatische Musik. Sie erinnert mich an Afrika, an starke afrikanische Frauen, die trommeln und sich ganz dem hier und jetzt hingeben. Ich fühle mich noch etwas steif. Unbeholfen bewege ich etwas meine Hüften. Heimlich blinzle ich durch meine Wimpern und gucke, was die anderen Frauen so machen. Sie bewegen sich heiter und freudig im Raum. Also versuche ich noch mehr die Musik zu spüren, in mich aufzunehmen und meine Bewegungen werden zögerlich immer größer und ausladender.

Dann höre ich einen schmerzerfüllten Schrei. Er durchdringt mich in Mark und Bein. Eine starke Trauer durchströmt mich. Ich kann den Schmerz im Schrei so sehr fühlen. Ich möchte dieser Trauer Ausdruck verleihen, möchte ihr Trost spenden und um sie weinen. Aber ich bin schon wieder beklemmt. Das Weinen funktioniert nicht. Bitte lass mich doch weinen.

Und ich bekomme Hilfe. Ich werde von hinten gehalten, umarmt, und plötzlich kann ich loslassen, die ganze Last fällt von mir ab und ergießt sich in einem langen Schluchzen. Langsam werde ich ruhiger. Ich fühle mich erleichtert und seltsam frei ums Herz. Ich beginne wieder zu tanzen. Ich fühle mich glücklich, fast schon ekstatisch. Endlich kann ich die Bewegungen genießen. Ich höre die Klänge der Musik, rieche die Düfte in der Luft, spüre meine Umarmungen, und möchte die Freude ewig festhalten. Ich wusste nicht, wie gut es sich anfühlen kann, wie reinigend es sein kann, weinen zu dürfen.

Ausklang

Langsam beruhigen wir uns wieder. Setzen uns wieder in den Kreis, halten uns bei den Händen. Jede ist bei sich und doch sind wir gemeinsam. Es ist, als ob durch unsere Hände Energie fließt. Eine unglaubliche Dankbarkeit durchströmt mich. Es ist schön, den anderen dabei zu lauschen, wie sie die letzte Stunde erlebt haben. Mit den Traurigen trauern wir mit, mit den fröhlichen freuen wir uns. Wir fühlen uns vereint.

Liebe Katja, Marlen und Nadin, ich danke euch. Ich danke euch für diesen wunderbaren Abend, diese intime und berauschende Erfahrung. Sie ist ein kleiner, aber ein wichtiger Schritt zu meiner Heilung. Ich werde bestimmt nicht das letzte Mal dabei gewesen sein. Ich danke euch, dass ihr einen so tollen geschützten Raum erschaffen habt und bewundere euch, für eure tolle Arbeit. Danke!

 

www.liebegehtraus.de

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