Wie gewinne ich das Herz eines Mannes? – Ein Buch von Christian Sander

Über Selbstliebe zur Beziehung

Tja, als mir eine Freundin zum ersten Mal dieses Buch empfohlen hat, dachte ich mir: „Nee, so etwas möchte ich nicht lesen. Ich wünsche mir zwar eine Beziehung, aber so auf Spielchen stehe ich ja gar nicht.“ Als sie es mir einige Wochen später ein zweites Mal empfiehlt, lasse ich mich doch überreden. Zum Teil aus Neugierde. Naja, und danach kann man ja immer noch sagen, das ist nichts für mich.

Nach dem ich das Buch ausgelesen habe, bin ich nun doch erstaunt. Es geht viel um Selbstliebe, die Beziehung zu sich selbst und darum, sich selbst anzunehmen. So, dass es mir unglaublich am Herzen liegt, dieses Wissen mit dir zu teilen.

Und ja, tatsächlich hat mich das Buch im Umgang mit Männern auch entspannter gemacht. Ich lasse die Dinge mehr auf mich zukommen und verfalle nicht mehr in blinden Aktivismus. Meiner neu entdeckten Geduld schadet es auf jeden Fall nicht.

Aber nun zum Buch…

Männer sind ANDERS

Mit diesem Kapitel startet das Buch und wirft gleich all meine Bedenken über Geschlechterklischees über den Haufen. Der schöne Satz, dass im Laufe der Emanzipation der Frau es oft zu Irrungen kommt, bei denen unter anderem die Gleichberechtigung mit der Gleichmacherei verwechselt wird, trifft es wohl im Kern. Trotz beruflichen Erfolges, dem stetigen Verfolgen von Zielen, dem Performen und dem Streben nach Unabhängigkeit, wünsche ich mir doch einen Partner an meiner Seite, bei dem ich ganz Frau sein kann. Eine starke Schulter zum Anlehnen, eine helfende, kräftige Hand beim Möbelaufbauen und ein Beschützer, der für mich da ist. Ich liebe meine weibliche Energie des Empfangens, der Weichheit und des Hingebens.

Christian Sander legt uns ans Herz, dass wir nicht versuchen sollen einen Mann „umzuerziehen“, sondern lernen sollen ihn zu verstehen. Dazu erläutert er, wie die Sozialisation des Mannes von frühster Kindheit an geprägt wird. Das Drängen von Kindern in geschlechterspezifische Rollen sollte in einer aufgeklärten Gesellschaft in Frage gestellt werden. Aber, da stimme ich ihm zu, noch ist dies leider der Fall. Und so lernt der Mann im Laufe seines Lebens Dinge wie, seine Gefühle nicht offen zu zeigen, nicht zu weinen und vieles mit sich selbst auszumachen. Nichts ist schlimmer für ihn, als zu riskieren, seine Männlichkeit zu verlieren. Das einzige, was Frau hier ändern kann, ist ihre Einstellung zu den Dingen im Leben. Wenn wir uns selbst wünschen, mit all unseren Macken voll angenommen und geliebt zu werden, warum gestehen wir diese bedingungslose Liebe nicht auch unserem Partner zu?

Männer sind beziehungsunfähig und wollen nur das Eine?

In seinen nächsten Kapiteln räumt Christian Sanders mit diesem Vorurteil auf. Er beschreibt anhand eines Beispiels eines Freundes, dass nur toller Sex eben langfristig nicht reicht und dass sich auch Männer echte Verbindungen wünschen. Männer neigen vielleicht am Anfang dazu, sich von Oberflächlichkeiten blenden zu lassen. Letztendlich möchte der Mann aber eine Frau, der er etwas bedeutet, die hinter ihm steht und die auf seiner Seite ist.

Der Eroberungstrieb der Männer

Nach Christian Sander sehen Männer es erstmal als einen sportlichen Wettkampf an, eine Frau zu erobern. „Sich dabei der körperlichen Aufmerksamkeit eines Mannes sicher zu sein, bedeutet nicht, auch sein Herz zu gewinnen.“ Diesen Urinstinkt des „Erobern-Wollens“ begründet Christian Sander damit, dass sich unsere weiblichen Vorfahren vor 10.000 Jahren sicher sein, mussten, dass der Mann sie nicht gleich wieder verlässt. Nur mit beiden Elternteilen hatten die Nachkommen gute Überlebenschancen. Die Frauen prüften also sehr sorgfältig, wer als Vater geeignet war. Der Mann musste sich gewissermaßen bewerben und beweisen, dass er es wert ist. Auch wenn die Emanzipation es möglich gemacht hat, dass Frauen und ihre Kinder nicht mehr von Männern abhängig sind, so können 50-60 Jahre nicht auf einen Schlag unsere Urinstinkte löschen. Und so erscheinen Frauen, die sich zu schnell erobern lassen, oft nicht begehrenswert und interessant genug, um eine ernsthafte Verbindung einzugehen. Denn woher soll Mann denn wissen, dass Frau sich bei Konkurrenten nicht ebenso so schnell zugänglich zeigt?

Was finden Männer anziehend?

Im nächsten Kapitel beschreibt Christian Sander Charaktereigenschaften, die Männer an Frauen attraktiv finden. Hier freut es mich sehr, dass er dabei viele typisch weibliche Eigenschaften aufzählt wie Warmherzigkeit, Fürsorglichkeit, Sinnlichkeit oder auch Unvorhersehbarkeit. Wir sollten uns also nicht immer mit den Männern messen wollen, versuchen sie zu beeindrucken oder gar zu übertreffen, sondern wir dürfen uns erlauben, uns zurückzulehnen, zu sein und aus der Liebe heraus zu geben.

Selbstliebe – Die Beziehung zu uns selbst

Weitere Charaktereigenschaften, die viele Männer mögen sind Humor, Intelligenz, Abenteuerlust, Aufmerksamkeit und vor allen Dingen Eigenständigkeit. Als ich diesen Abschnitt las, der primär über Selbstliebe ist, wusste ich, dass ich dieses Buch weiterempfehlen möchte.

Christian Sanders zitiert so wunderbar das norwegische Sprichwort „Menschen interessieren sich für Menschen, die sich für sich selbst interessieren.“ Damit möchte er erreichen, dass man sich nicht von seinem Partner abhängig macht. Das Frau sich nicht für einen Mann verbiegen soll, sondern, dass sie dafür sorgen soll, dass sie unabhängig von der Aufmerksamkeit eines Mannes ein glückliches Leben führt. Die Dinge unternimmt, die sie glücklich machen oder Ziele zu erreichen, die ihr wichtig sind. Und letztendlich zieht eine glückliche und zufriedene Frau die Männer ganz von alleine an.

Wie Männer den weiblichen Körper WIRKLICH wahrnehmen

Auch ich habe mich jahrelang selbst gegeißelt, um den perfekten Körper zu haben. An Hungern, Abführmitteln, Bulimie und Sportsucht bin leider auch ich nicht vorbeigekommen. Auch kenne ich viele Frauen, die von einer Diät zur anderen hüpfen. Bei mir hat es viele Jahre gedauert, bis ich zu einem intuitiven Essverhalten und einem guten Gefühl zu meinem Körper gefunden habe. Egal, ob ich jetzt ein paar Kilo mehr oder weniger wiege. Mein Körper hat sich über die Jahre verändert, aber ich kriege immer noch die gleichen Komplimente dafür.

Genau das ist es, was Christian Sander auch in seinem Buch beschreibt. Männer mögen Frauen, die ein gutes Körpergefühl haben und sich in ihrem Körper wohl fühlen. Die keine Scheu haben sich vor ihm zu zeigen, weil sie ihren Körper lieben.

Und natürlich wird sich das auch positiv auf das Sexleben auswirken, wenn du nicht vorher immer das Licht ausmachen möchtest oder darüber nachdenkst, wie dein Bauch jetzt wohl in dieser Stellung aussieht. So kannst du dich voll und ganz auf deine Empfindungen einlassen und dich hingeben.

Der erste Kontakt

Im nächsten Abschnitt beschreibt Christian Sander die ersten Interaktionen zwischen Mann und Frau. Dabei stützt er sich wieder auf den Jagdinstinkt und rät den Frauen trotz Emanzipation davon ab, Männer selber anzusprechen. Wenn sie es nicht lassen können, dann aber eben ganz unauffällig unter einem anderen Vorwand.

Für das erste Gespräch empfiehlt er, nicht zu viel von sich Preis zu geben, aktiv zuzuhören und sich für den Menschen dahinter zu interessieren. Anzügliche Bemerkungen sollten vermieden werden, um nicht doch in der Sex-Objekt-Schublade zu landen.

Und wie wir es uns vielleicht schon denken können, plädiert Christian Sander dafür, dass Frau nicht mit einem Mann schlafen sollte, den sie noch nicht ernsthaft kennt. Zumindest nicht, wenn sie sich eine Beziehung erhofft, da der Bindungswunsch bei Männern erst durch emotionale Nähe und nicht durch Sex entsteht. Vorschneller Sex führt nur zu dem Verlangen nach noch mehr Sex und zwar ohne Verpflichtungen.

Schwierig ist das natürlich, „wenn die Chemie“ stimmt. Aber auch dann sollte Frau sich gedulden, denn durch vorschnelles Einlassen auf ihn, signalisiert sie ihm unterbewusst wieder nur, dass sie das vermutlich auch mit anderen Männern macht. Das gilt auch, wenn sie ihm sagt, dass er eine Ausnahme ist. Wie war das so schön? Gesten zählen mehr als Worte.

Danach geht Christian Sander noch kurz darauf ein, was Männer bei Frauen abschreckend finden: Übermäßiger Alkoholkonsum, Hemmungslosigkeit und Offen zur Schau gestellte sexuelle Freizügigkeit. Aus emanzipatorischer Sicht kann ich natürlich nur sagen, dass sich jede Frau anziehen sollte, wie sie es schön findet.

Das man die Themen Ex-Partner, Zukunft, die Schlechtigkeit der Welt, Arbeit und Kinderwunsch bei einem ersten Treffen vielleicht nicht gleich auf den Tisch packen sollte, gilt wohl für Mann und Frau gleichermaßen.

Wann ruft er an?

Kurzgefasst: Frage nicht nach seiner Telefonnummer und wenn ein Mann Interesse an dir hat, dann wird er dich auch anrufen bzw. sich bei dir melden.

Attraktivität beginnt in Ihrem Inneren

Dieses Kapitel hat es mir natürlich besonders angetan. Hier geht es vor allem um ein positives Selbstbild. Ein Mensch, der mit sich im Reinen ist, strahlt das natürlich auch nach Außen. Er wirkt so auf seine Mitmenschen gleich viel attraktiver. Natürlich ist das bei einem niedrigen Selbstwertgefühl leider manchmal leicht gesagt als getan, aber hierfür gibt Christian Sander uns ein paar gute Tipps an die Hand:

„Sie sind diese Traumfrau schon längst.“ „Verhalten Sie sich ab heute wie eine Traumfrau.“ „Ein Wesen, das es nur ein einziges Mal auf dieser Welt gibt.“ „Sie respektieren sich selbst. Sie behandeln sich liebevoll und sie denken positiv über sich.“ „Sie lieben sich selbst.“

Dazu gibt Christian Sander sogar eine praktische Übung an die Hand, um seine eigene Einstellung zu sich selbst zu verbessern.

Zusätzlich sollte sich Frau noch intensiv Gedanken darüber machen, was für einen Mann sie eigentlich möchte. Das verhindert, den falschen Partner anzuziehen. Dabei empfiehlt er, auf unsere weibliche Intuition zu hören, denn diese ist in der Regel zuverlässiger als unser rationaler Geist.

Um uns zu schulen und entspannter zu werden, legt uns Christian Sander ans Herz sich erst einmal unverbindlich mit Männern zu treffen um zu üben. Also nicht zwanghaft nach dem Mann fürs Leben suchen, sondern einfach mit fremden Menschen einen netten und interessanten Abend verbringen.

Phase Zwei. Die tiefere Ebene der Anziehung. Vom Daten zur Beziehung.

Auf den letzten Abschnitt des Buches möchte ich nur rudimentär eingehen. Es soll ja noch etwas Spannung zum Lesen des Buches bleiben.

Hier möchte ich speziell auf zwei weitere Aspekte der Selbstliebe eingehen:

Andere Menschen sind nicht dazu da, unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Wenn ich etwas von einem anderen Menschen möchte, dann sollte ich es ihm zuerst schenken. Es kommt immer das zu uns zurück, was wir aussenden. Hierzu kann ich übrigens noch das Buch „The Secret” zum Gesetz der Anziehung empfehlen.

Als letzten Aspekt, behalte dein eigenes Leben. Lass dir nicht alles von ihm gefallen und bewahre euch die Freiheit, zwei Individuen zu sein. Trotz aller Verbundenheit und gemeinsamer Ziele ist es unabdingbar, dass jeder sein eigenes Leben führt.

Bewertung

Insgesamt lehrt uns das Buch „Wie gewinne ich das Herz eines Mannes“ von Christian Sander also viele Aspekte der Selbstliebe, Unabhängigkeit und Individualität. Es geht als primär nicht um Spielchen spielen, sondern sich selbst bewusst zu werden, was man möchte, und dementsprechend zu handeln. Das Buch liest sich leicht und die angebrachten Beispiele sind verständlich. Wer gerade in der Interaktion mit dem männliche Geschlecht nach vielen Tinder-Dates verunsichert ist, dem kann ich das Buch mit gutem Gewissen ans Herz legen.

 

Hier findest du das Buch:

“Wie gewinne ich das Herz eines Mannes” von Christian Sander

Foto by Joana Noske

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