Frag mich nicht nach meinem Sexleben

Wann begann die Frage nach meinem Sexleben?

Das ist sicher eine sehr seltsame Headline für einen Sex-Blog. Aber ich muss heute mal dringend Frust ablassen. Ich kann die Fragen nach meinem Sexleben verdammt nochmal nicht mehr hören!

Und nein, diese Frage wird mir nicht erst seit dem Start meines Lust-Liebe-Heilung-Blogs gestellt.

Eigentlich begann dieser Teil meiner Geschichte, als ich mich vor gut zwei Jahren dafür entschied, meine Beziehung zu beenden und dem netten Single-Leben zu frönen. Naja, und als Single kommt man ja am Onlinedating heutzutage auch schwer vorbei, also gesagt getan, ich swipte.

Am Anfang war ich mir noch nicht so ganz klar, was ich wollte und ein bisschen austoben ist ja nicht verkehrt. Wenn man mich dann nach der fünften Nachricht fragte, wann ich denn das letzte Mal Sex gehabt hätte, war ich etwas genervt, habe aber meistens recht entspannt darauf reagiert.

Irgendwann denkt man sich in seinem Singleleben dann doch, ach jetzt mal wieder einen Partner an der Seite, mit dem man die Freuden des Lebens so teilen kann, wäre ja nicht so verkehrt. Dementsprechend passt man sein Profil an, lädt vielleicht andere Fotos hoch und schreibt in seine Texte, bitte keine One-Night-Stands.

Hat’s geholfen? Natürlich nicht. Von 80 Prozent der Männer höre ich Fragen zu meinem Sexleben innerhalb des ersten Chat-Tages. Und die wissen nicht, dass ich einen Sex-Blog habe.

Was ist so überaus spannend an meinem Sexleben?

Und mir stellt sich die Frage „WARUM IN GOTTES NAMEN MÖCHTEST DU DAS WISSEN?!?!

Also, aus meiner kleinen Froschperspektive: Ich möchte einen Menschen kennenlernen. Dann interessiere ich mich dafür, was er so gerne macht, was er für Werte hat, was ihm wichtig ist, wovon er träumt. Abchecken quasi, ob man sich überhaupt unterhalten kann. Da weiß ich noch nicht mal, ob ich ihn im realen Leben je treffen werde, geschweige denn, ob ich mit ihm Schlafen möchte.

Was um Himmelswillen (ich merke schon, Gott ist mir bei diesem Artikel sehr nah), möchte Mann mit diesen Fragen bezwecken?

Wann ich meinen letzten Sex hatte? Vor zwei Tagen, vor drei Wochen, vor sechs Monaten… Who cares. Möchtest du mich gerne in eine Schublade einsortieren? Schlampe vs. Girlfriend-Material?

Bekannt ist mir auch die Frage, ob ich masturbiere. Du doch auch? Was soll die Frage?

Oder, wo ich Sperma am Liebsten mag? Deines auf jeden Fall gar nirgendwo. Sonst eher im Kondom solange ich keine Kinder kriegen möchte.

Mich interessiert das Sexleben wildfremder Menschen doch auch nicht

Mich interessiert doch auch nicht, ob ein wildfremder Mensch rasiert ist oder nicht, welche Farbe sein Sperma hat und ob er nach einer Sexorgie überhaupt noch einen hochbekommt.

Also mal ehrlich, was sollen diese Fragen liebe Männer? Ich bin verzweifelt, vollkommen ratlos, ich raff es einfach nicht. Ist mein Frauen-Denken da so weit weg von euch, dass ich das nicht nachvollziehen kann? Bitte klärt mich auf!

Oder bin ich die einzige Frau, der es so geht? Vielleicht habe ich ja ein magisches Leuchtreklame-Schild auf meiner Stirn? Vielleicht weiß das liebe Universum, dass ich diese Fragen auf den Tod nicht leiden kann (man heute bin ich aber echt dramatisch). Das ich mich dann regelrecht getriggert fühle. Ich merke, wie ich unbewusst sofort in eine Abwehrhaltung gehe, sobald mir wieder eine intime Frage über mein Sexleben von einer Person, die ich nur online kenne, gestellt wird. Ich fühle mich gleich auf diesen Aspekt meines Seins reduziert. Irgendwie unter Druck gesetzt. Dabei bin ich doch so viel mehr als mein Sexleben.

Naja, dann denkt sich das Universum bestimmt, jetzt erst recht! Ich schicke dir so lange Männer mit diesen Fragen, bis es dir egal ist und du total entspannt damit umgehst!

Oder reagiere ich da einfach nur über? Das ist halt so in unserer heutigen Zeit. Sex ist überall. Die normalste Sache der Welt eben. Da braucht man doch nicht verwundert sein, wenn einem das andere Geschlecht mal eine Frage darüber stellt. Sei mal nicht so überempfindlich.

Jeder Mensch ist anders und ich mag einfach keine Fragen über mein Sexleben

Nein, nein, nein. Ich will keine Fragen von fremden Personen über mein Sexleben gestellt bekommen! Sex ist mich für etwas super Intimes, was ich mit der Person teilen möchte, die ich liebe. Ich möchte so etwas nicht mit Unbekannten im Internet diskutieren und mich interessiert auch nicht die Bohne, was dieser fremde Mensch in seinem Bett so treibt, bevor ich ihn nicht wenigstens ein paar Mal im echten Leben getroffen habe.

Ja, guter Sex ist in einer Beziehung essentiell, aber um herauszufinden, ob es sexuell harmoniert, muss ich doch einen Menschen riechen, schmecken und anfassen können. Erst dann wird sich das zeigen. Da nutzt es doch nichts, wenn ich weiß, dass die Frau gerne Sperma auf ihre Brüste gespritzt bekommt. Für mich ist das Schreiben über Sex in Chats wie das Plaudern über’s Wetter. Da tut sich bei mir gar nichts.

Ich frage zurück

Ich habe diese Frage natürlich auch schon den fragenden Personen gestellt…

Du bist aber eine nicht sehr sexuelle Person.

Dann bin ich eben verklemmt. Sei es drum. Ich unterhalte mich gerne von Angesicht zu Angesicht darüber. Ich möchte deine Reaktion erleben. Dein Runzeln auf der Stirn, das verschmitzte Lächeln, die Röte auf deinen Wangen. Und nicht anonym im Internet.

Warum regst du dich hier so auf? Melde dich doch einfach vom Online-Dating wieder ab.

Tja, so schlau war ich dann tatsächlich auch schon. Und was ist los? Nun beginnt das selbe Trauerspiel auf Instagram.

Ich traue mich schon gar nicht mehr Nachrichtenanfragen anzunehmen. Höchstwahrscheinlich ist es wieder ein Mann, der gerne mit mir chatten möchte. Und das, obwohl er viele hundert Kilometer weg wohnt und die Chance eines realen Kennenlernens gegen Null tendiert. Und mich dann, hey, Überraschung, nach einem kurzen, wie geht’s und wie ist das Wetter fragt, wann ich eigentlich das letzte Mal Sex hatte.

Ich raffe es immer noch nicht, warum Männer diese Fragen über mein Sexleben stellen? Vielleicht dient diese Information ja lediglich als Masturbationsvorlage?

Und keine Nachrichten mehr annehmen ist auch nicht so wirklich eine Option. Denn dazwischen sind immer wieder wundervolle Mitteilungen von so lieben Menschen, die meine Arbeit toll finden oder die ein wirkliches Problem haben und um Hilfe bitten.

Wer klärt mich auf?

Meine bezaubernden Leserinnen, bin ich alleine mit diesem Problem? Quasi ein „Männer mit Sexfragen“-Magnet?

Oder liebe Männer, befreit mich aus meiner Ahnungslosigkeit! Vielleicht ist die Antwort so offensichtlich, dass ich sie einfach nicht erkennen kann. In dem Sinne, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Oder vielleicht strahle ich irgendetwas aus, so dass sich Mann denkt, die kann ich über ihr Sexleben ausfragen? Bitte sagt es mir. Das würde ich dann tatsächlich sogar ändern ;-).

Und bitte, Männer mit dem Hang Sexfragen zu stellen, lasst es sein. Die einzige Antwort die ihr bekommen werdet ist: „Ich möchte nicht mit dir über mein Sexleben sprechen.“ Punkt.

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1 Kommentar

  • Hach, liebe Lilli,
    ich weiß grad schon gar nicht mehr wie wir uns erst neulich bei Instagram begegnet sind… Wer wem zuerst geschrieben hat 🙂
    Haben wir schon über das Thema geschrieben? Keine Ahnung offen gestanden, aber ich glaube nicht… 😀 Aber da wir noch immer Kontakt haben, hab ich wohl was anders gemacht als meine Artgenossen.^^

    Zunächst einmal… Ich verstehe die meisten Männer insgesamt nur bedingt bis gar nicht. Ich kann nur versuchen dir ein paar Fragen zu beantworten, wobei ich dafür nur andere Blickwinkel einnehmen kann, die ich selbst nicht unbedingt vertrete. Aber vielleicht hilft es ja auch anderen Frauen weiter…

    Die Masse der Menschen da draußen handelt derart unbewusst und unreflektiert, sowohl Männer als auch Frauen. Überall wird verglichen und gewertet – und kaum eine Sau rafft, was da innen und außen abläuft… Und selbst wenn liegen Meilen zwischen dem Wahrnehmen, Wissen und dessen das auch wirklich zu LEBEN!!

    Ich persönlich kann Sex von Liebe trennen, wobei Sex mit Liebe einfach eine vollkommen andere Dimension ist. Grundvoraussetzung für mich, um mit einer Frau Sex zu haben, ist definitiv Sympathie… Attraktivität ist ganz nett, muss aber auch nicht übertrieben sein. Natürlich schaue ich auch aufs Äußere, aber die echte Attraktivität lerne ich erst mit dem Menschen kennen… Das kann auch online geschehen. Das muss dann in der Realität nicht zutreffen, aber ansich habe ich da eigentlich nen recht gutes Gespür für.

    Meine Sichtweise auf die Welt und das Leben hat sich in den letzten Jahren um 180 Grad gedreht. Ich betrachte die Welt inzwischen energetisch, als Verbundenheit, zumindest in großen Teilen des Lebens. Damit wird mir nicht das geliefert, was ich gerne hätte, sondern was zu meiner Resonanz passt. Sowohl in “positiver” Hinsicht, als auch in “Negativer”. In Häkchen deswegen, weil es ja eine Wertung ist. Tatsächlich ist all das aber erst einmal neutral. Die Bedeutung, die wir der Geschichte in uns geben, ist eben UNSER EIGENES Thema.

    Wenn du wissen möchtest, warum dir das passiert, frag dich was du aussendest, dass das so stark mit dir resoniert. Dabei geht nicht um Schuld oder sowas und auch nicht darum, das unverständliche Handeln von irgendwelchen Schwachmaten schönzureden oder gar gutzuheißen… Scheiße bleibt Scheiße!

    Aber du kannst deinen Fokus verändern und dich fragen, was da für dich im Ursprung hinter sitzt. Du kannst…

    Nun mal zu der anderen Perspektive…
    Es gibt Männer, die in den Puff gehen, die Gummipuppen bumsen, die ungevögelt aggressiv werden, aber sich dennoch keinen runterholen… Wo es tatsächlich nur um geiles Abspritzen geht. Für die ist in dem Moment eine Frau nur ein Stück Fleisch mit Titten und nem feuchten, geilen Loch. Da existiert in den akuten Umständen kein Mensch.

    Ich glaube inzwischen, dass viele Männer gerade älterer Generation so intensiv eingebleut bekommen haben, dass ein Mann hart sein muss, machen, schaffen, zeigen, dass die meisten jungen Männer – also deren Kinder – gar keine gefühlvollen Seiten mitbekommen haben.

    Worte, Fragen, Respekt, Abstand, alles Phrasen, Hülsen, die fast jeder unterschreibt und kaum jemand lebt. Wo soll da das Nachdenken über das eigene Handel, Sprechen, Schreiben entstehen…?

    Wenn man nun diese beiden Komponenten miteinander vereint, kann da nur sowas bei herauskommen… Für mich ist es gleichzeitig irre und logisch zugleich.

    Wenns Hirn nicht soweit reicht die eigene Sprache mit Respekt in Verbindung zu bringen, und dann ohne vorhandene Liebe nur Merkmale des Weibchens abgeglichen werden, während man(n) mit Druck aufm Lümmel hat und dann sich eine scheinbare Gelegenheit bietet, möglichst zeitnah mal wieder in Eine reinzuspritzen…

    Wo sonst soll es hinführen?

    Es bleibt aus meiner Sicht nur sich sowohl als Frau, als auch als Mann… als Mensch mit tiefem Herz, darauf zu fokussieren möglichst viel Liebe in die Welt zu tragen und das auch in der Konsequenz energetisch anzuziehen… Um sich dann irgendwann mit tieferen Gefühlen einander auszuziehen 😉

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