Sexuelle Freiheit beginnt im Kopf

Das Traumdate

Es ist Samstagabend, wir treffen uns in der One Lounge Bar im Upper West Berlin. Bisher kennen wir uns nur aus dem Internet. Du lächelst mich strahlend an und umarmst mich herzlich. Wir verfallen in eine anregende Plauderei, Spannung liegt in der Luft. Ich schmecke den kühlen Gin-Tonic kalt und herb auf meinen Lippen und genieße deine männliche Energie.

Der Kellner steht vor unserem Tisch und fragt nach einer neuen Bestellung. Wir sehen uns in die Augen und schütteln lächelnd den Kopf. „Nein, bitte zahlen.“

Du nimmst mich an der Hand und wir fahren in den 10. Stock. Beim Hotelzimmer angekommen zwinkerst du mich schelmisch an, bevor sich deine Lippen den meinen nähern. Ich spüre deinen heißen Atem auf meiner Haut als du mich gegen die Wand drückst. Ich kann es kaum erwarten dich in mir zu spüren.

Die Nacht ist lang, ich kann nicht genug von dir kriegen. Als der Morgen dämmert, bleibe ich noch einen Moment in deinen Armen liegen. Schweren Herzens stehe ich auf und verabschiede mich liebevoll mit einem zarten Kuss. Ich weiß, ich werde dich lange nicht wiedersehen, vielleicht nie wieder, denn du wohnst viele hundert Kilometer entfernt. Doch ich spüre eine tiefe Dankbarkeit für diese wundervollen Stunden, für diese einzigartige Nacht.

Der harte Boden der Realität

So oder so ähnlich sieht es also in meiner Fantasie aus. Ich habe mit tollen, attraktiven Männern entspannten, intimen Sex, genieße voll den Augenblick, kann mich emotional total öffnen ohne verloren zu gehen.

Und in der Realität? Da kriege ich ganz schnell kalte Füße, sogar eiskalte Füße.

Ich chatte fröhlich. Interesse an Freundschaft Plus, Affären oder offenen Beziehungen? Auf jeden Fall. Da bin ich dabei. So richtig Zeit für eine Beziehung habe ich eh nicht.

Und doch wieder nicht.

Sobald mir dann die ungefilterte männliche sexuelle Energie entgegengeworfen wird, bin ich schon wieder auf dem Rückzug. Da kommt plötzlich ein Gefühl der Beklemmung auf, eine Angst, dass ich plötzlich im Moment des Treffens doch keine Lust mehr spüre und meine Grenzen setzen muss. Ein Widerwillen gegen das Reduziertwerden auf den Sexualakt, nur das Objekt der Begierde zu sein. Und so flüchte ich durch die Hintertür und sage ab.

Kaum getan, so ist da schon wieder das Bedauern. Das Bedauern eine Chance verpasst zu haben. Ein Bedauern, nicht frei zu sein in meiner Entscheidung, gehemmt von inneren Blockaden. Meine Lust nicht frei ausleben zu können.

Freie Liebe ist verwerflich

Tja, woher diese Blockaden kommen, kann ich mir gut vorstellen. Da fallen mir auf die Schnelle so einige limitierende Glaubenssätze ein:

  1. Sei ein braves Mädchen.
  2. Lass dich nicht zu schnell auf einen Mann ein, sonst wirst du uninteressant.
  3. Frauen, die zu viele Männer hatten, sind Schlampen.
  4. Verkauf dich nicht zu billig.
  5. Männer wollen alle nur das eine.
  6. Willst du gelten, mach dich selten.
  7. Vor Männern muss man sich in Acht nehmen.
  8. Frauen können Sex und Liebe nicht trennen.
  9. Du bist mehr wert, als nur Sex.

Und so könnte ich die Liste endlos fortführen. Da hat uns die Gesellschaft viele Jahre ordentlich was eingeimpft.

Rational ist mir das alles total klar. Das ist absoluter Bullshit. Emotional ist es bei mir aber leider noch nicht angekommen.

Dilemma auf dem Weg zur sexuellen Freiheit

Und so schwanke ich in dem Dilemma zwischen Wollen und Angst. Mache einen Schritt vor, um gleich wieder drei zurück zu machen. Ich drehe mich im Kreis in meiner eigenen Welt. Es macht mich traurig und wütend zugleich. Ich fühle mich gefangen in meiner Gefühlswelt. Unfähig das Gefängnis zu verlassen.

Und so träume ich von der großen Liebe, die auf dem weißen Schimmel dahergeritten kommt, und alles plötzlich ganz einfach ist. Wo ich mir überhaupt keine Gedanken mache. Das Jetzt genieße und ganz cool und selbstbewusst bleibe.

Mmh, Moment, wo ist hier der Fehler? Ach ja, ich träume schon wieder.

Freiheit durch Selbstannahme

Und was kann man da nun wirklich machen?

Sich erstmal so akzeptieren wie man ist. Verständnis für sich haben. Sich nicht verurteilen. Dann bin ich eben nicht der Casual-Typ mit dem Mann locker um die Häuser ziehen kann, sich eine Runde im Bett vergnügen kann, um dann wieder zufrieden getrennter Wege zu gehen.

Achtsam sein. Den Gefühlszustand, die Angst wahrnehmen, ohne sie bewerten zu wollen. Die Traurigkeit spüren, die Einsamkeit, den Wunsch nach Verbundenheit. Sie dürfen da sein. Sie gehören zu uns. Wir brauchen sie nicht wegschieben oder unterdrücken. Sie wollen, dass ich mich aufgehoben fühle, wenn ich mich so intim öffne.

Glaubenssätze bearbeiten und durch Neue, Positive ersetzen.

Sich die Zeit und den Raum geben. Geduld haben. Trust the process. Mit dem Kopf durch die Wand bringt nichts als Beulen. Wenn ich am Ende überfordert bin, hat weder er noch ich Spaß.

Mich in Selbstliebe üben. Mich selbst verwöhnen, masturbieren üben, meine eigene sexuelle Energie entdecken und erforschen. Weiter Tantra-Seminare besuchen, um sich Schritt für Schritt zu öffnen. Berührung für Berührung. Sich fallen lassen trotz männlicher sexueller Energie. Oder gerade wegen ihr. Sich von ihr tragen lassen. Sie annehmen und aufnehmen. Sich freischwimmen. Langsam, behutsam, kontinuierlich.

Sexuelle Freiheit beginnt im Kopf. Freiheit, ich bin unterwegs.

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