Quietschbunt vs. naturnah. Verniedlichen Sextoys die weibliche Lust?

Sextoys im Angebot

Wir surfen durch verschiedene Sextoy-Seiten, um das neue Design meines Blogs abzustimmen. Dabei kommen wir natürlich nicht daran vorbei, das eine oder andere Spielzeug zu betrachten. Wir bestaunen das klare und natürlich Design von Amorelie und sprechen darüber, dass diese schmuddeligen, roten Pornoseiten ja sowas von überholt sind. Beate Uhse ist ja mal eindeutig 90er.

Klar ist, es gibt viel mehr Sextoys für Frauen als für Männer und viele kommen in einem quietschbunten Design. Von blauen Delfinen, pinken Würmern zu silberfarbenen Designstäben, alles dabei. Das fällt auch meinem Bekannten auf, dass es echt wenige „naturnahe“ Sexspielzeuge gibt. Ich erwidere: „Nee, auf so große, fleischige Sextoys stehen die meisten Frauen ja mal so gar nicht. Das sieht doch unästhetisch aus. Das soll doch alles ein Spiel sein und dazu braucht es doch abstrakte Formen und Farben.“

Penis-Shaming

Im Nachhinein finde ich meine Worte ziemlich unsensibel. Eigentlich habe ich gerade voll Penis-Shaming betrieben. Gerne würde ich meine Worte zurücknehmen. Gleichzeitig frage ich mich, woher überhaupt diese Empfindung kommt? Woher diese negative Assoziation? Warum wollen so viele Frauen lieber eine sexuelles Stimulationsgerät, was einem Spielzeug gleicht, als etwas, was wie das natürliche Exemplar aussieht?

Ich bin bisher tatsächlich noch nie auf die Idee gekommen, mir eine normale Penisnachbildung zu holen, weil ich sie unterbewusst eher abstoßend als anziehend finde. Woher kommt diese Verniedlichung, diese Entfremdung für den eigentlichen Zweck, der ja wäre: SEX mit sich selbst, Masturbation, die natürlichste Sache der Welt. Warum sollte diese verschleiert werden müssen?

Ich google…

Tja, also ich habe jetzt keine Masterarbeit darüberschreiben wollen, aber auf den ersten Blick finde ich nichts. Da haben sich wohl noch nicht so viele Menschen Gedanken drum gemacht.

Wirkt sich das Aussehen unserer Sextoys auf unsere Sexualität aus?

Vielleicht ist es nicht wichtig, aber vielleicht sagt es auch ganz viel über unser Verhältnis zur Sexualität aus? Das diese vielleicht doch noch mit großen Ängsten verbunden ist? Zum Beispiel Ängsten vor der Männlichkeit, für die ja eindeutig das Phallussymbol steht. Ich bin weder Psychologin noch Philosophin, aber es macht mich nachdenklich. Und irgendwie traurig, dass ich in mir so eine Penisabneigung verspüre.

Auch diese Verniedlichung der weiblichen Lust. Statt ihr Raum zu geben, wird sie unbewusst klein gemacht. Ein Spielzeug kann nicht gefährlich sein.

Möglicherweise habe ich auch schon zu viel über Feminismus gelesen und überinterpretiere das alles. Aber unbewusst wirkt es trotzdem. Dabei soll es doch um die Befreiung der weiblichen Lust gehen. Um die Überwindung des Schamgefühls. Um das Ausleben der Lust ohne innere Blockaden und beschränkende Gedanken. Es ist ja wie mit den ständig perfekten Körpern in der Werbung, die tagtäglich auf uns einprasseln. Da verschiebt sich das Körperbild, die eigene Körperwahrnehmung auch zu einem künstlichen Ideal, welches nicht mehr viel mit der Wirklichkeit zu tun hat. Und so wirken auch unbewusst die farbigen, abstrakten Sextoys auf uns.

Wieder mehr Natürlichkeit im Bett

Quietschbunt finde ich plötzlich gar nicht mehr so cool. Ich möchte Natürlichkeit wieder mehr schätzen. Liebevoll das Annehmen was ist und mich nicht davor verstecken. Deswegen braucht es auch gar keine Sextoys mehr. Sondern nur noch mich, meine Hände, mein Streicheln, meine Zärtlichkeit. Ich spüre und atme, nehme wahr und bin. Bei mir, in unendlicher Sanftheit, voller Liebe.

Wann hast du dich das letzte Mal ohne Hilfsmittel mit voller Präsenz geliebt?

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