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Beim Sex geht es immer um Emotionen. Guter Sex ist mit freien Emotionen, schlechter Sex ist mit blockierten Emotionen.

Sex ohne Blockaden

Ihr küsst euch leidenschaftlich, du verspürst ein starkes Ziehen in deinem Unterleib und merkst wie dein Höschen ganz feucht wird. Sein Geruch betäubt dich, du verlierst jegliches Gefühl für Raum und Zeit. Du bist vollkommen im Moment, nimmst nur noch ihn und deine Lust wahr. Dein Körper sehnt sich nach mehr, dein Unterleib steht in Flammen. Seine Finger auf deinem Körper machen dich wahnsinnig und du kannst es gar nicht mehr abwarten, ihn fest in dir zu spüren. Als er in dich eindringt und dir bei jedem Stoß tief in die Augen schaut, werdet ihr zu einer Einheit. Deine Lust beflügelt ihn, er fühlt sich vollkommen angenommen. Alles fließt, kein Druck, keine Erwartungen, ihr seid im Flow. Ihr fühlt euch innerlich und äußerlich verbunden. Die Nähe des anderen erfüllt euch, die Lust trägt euch in ungeahnte Höhen. Dein Körper kribbelt überall und als du deinen Orgasmus bekommst, explodiert ein ganzes Feuerwerk. Erschöpft und überglücklich liegt ihr euch in den Armen und lasst euch von der Wärme und Liebe des anderen einlullen.

Das ist Sex mit freien Emotionen…

Sex mit Blockaden

Und Sex mit blockierten Emotionen…? Naja, man hat ihn halt. Er fühlt sich manchmal gar nicht so schlecht an. Ein bisschen wie das Feierabendprogramm im Fernsehen. Erst wird dir Lust gemacht und du beginnst gerade Feuer zu fangen, als du abrupt durch die nächste Werbepause abgestoppt wirst. Ähnlich wie wenn ihr gerade leidenschaftlich am Rumfummeln seid, er aber schon nach fünf Minuten voreilig mit den Fingern in deine Vagina eindringen will und du dich automatisch versteifst. Oder er plötzlich zum Rammler wird und du dich fragst, ob du im falschen Film bist. So zieht sich das durch den ganzen Abend. Bevor das große Finale kommt, nochmal endlose zehn Minuten Werbepause, in denen du dich fragst, wann er denn jetzt endlich mal fertig wird. Die letzten zwei Minuten des Films sind dann doch so platt, dass du dich wunderst, ob es das jetzt schon gewesen ist. Da es einer seiner Lieblingsfilme ist, möchtest du nicht unhöflich sein und tust so, als ob nichts gewesen wäre.

Wahre Lust entsteht im Kopf

Auch wenn Sex ein körperlicher Vorgang ist, so entsteht wahre Lust doch im Kopf. Ist diese Verbindung aber durch Ängste, Scham oder gesellschaftliche Konventionen blockiert, entwickeln sich Schranken, die schwer bis unüberwindbar erscheinen. Ein Erleben des Moments wird schwierig bis unmöglich. Soll heißen, auch wenn an den Geschlechtsorganen rumgespielt wird, kommt die Lust nicht mehr im Kopf an, sondern wird durch negative Emotionen überschattet und lähmt uns.

Die Ursachen von sexuellen Blockaden sind vielfältig. Von wirklich ernsthaften sexuellen Übergriffen, über Grapschen, von negativen Glaubenssätzen über Frauen, die sich zu freigiebig verschenken, bis zu Hemmungen den eigenen Körper zu zeigen, ist es eine große Bandbreite.

Rational begreifen wir vielleicht, was uns blockiert und wissen, was die Ursachen für unsere Probleme sind. Doch wie soll man diese sexuellen Blockaden denn nun überwinden?

Bioenergetik zur Überwindung von Blockaden

„Wir leben, lieben und fühlen mit dem Körper. Können Therapien, die den Körper ausklammern, da erfolgreich sein?“ Der wunderbare Steve Hofmann ist ein Verfechter eines alternativen Ansatzes zur klassischen Psychotherapie, der sogenannten Bioenergetik. Grundannahme der Bioenergetischen Analyse ist, dass der Körper eine fundamentale Rolle bei der Abwehr und Unterdrückung von Gefühlen spielt. Aus dieser Annahme heraus entwickelte Alexander Lowen, ein Schüler von Wilhelm Reich, die Bioenergetik. Ein körperpsychotherapeutisches Verfahren, bei dem die Heilung eines Menschen mittels Durcharbeiten von körperlichen Blockaden sowie der Bewusstmachung verdrängter Gefühle, erreicht werden soll. Wenn wir also bei negativen Empfindungen automatisch verspannen und kurzatmig werden, um uns zu schützen, können wir im Umkehrschluss durch gezielte Atem- und Körperübungen diesen Prozess umdrehen.

Tension and Trauma Releasing Exercises

In den vergangenen 20 Jahren sind aus der Bioenergetik sogenannte TRE-Körperübungen entstanden. TRE steht dabei für Tension and Trauma Releasing Exercises, die originär für Menschen mit traumatischen Erfahrungen entwickelt wurden. Es wurde beobachtet, dass unserer Körper auf Schocks und traumatische Erfahrungen mit Zittern reagiert. Das Zittern wirkt tiefenentspannend auf unseren Körper und soll damit die Selbstheilung aktivieren und das innere Gleichgewicht wiederherstellen. Die Bioenergetik macht sich diesen Selbstheilungsprozess zu nutze.

Steve leitet seine Klienten also an und bringt ihre Körper mittels verschiedener Übungen zum Zittern. Als mein Körper das erste Mal unkontrolliert zu zittern begann, wusste ich vor lauter Schreck nicht, ob ich lieber lachen oder weinen sollte.

Doch die Bioenergetik geht über die reinen TRE-Übungen hinaus. Dabei rückt der beziehungs- und bindungsorientierte Ansatz immer weiter in den Fokus, bei dem der Arzt und Patient eine Bindung eingehen.

Steve ermutigt uns also während der Körperübungen, auch unsere Empfindungen mittels Lauten, Schnaufen oder was immer gerade in uns hochkommt, auszudrücken. Zu Beginn meiner Übungsgruppe empfand ich das Schreien, Schnauben und so weiter, der anderen Gruppenmitglieder, teilweise sehr irritierend, beklemmend, ja sogar abschreckend. Solch animalische Ausdrücke sind in unserer hochzivilisierten und kontrollierten Welt hoch verpönt, unerwünscht und kaum noch anzutreffen. Vielleicht noch gerade so bei betrunkenen, grölenden Fußballfans nach dem Sieg ihrer Lieblingsmannschaft.

Die dunkelsten Gefühle durchleben, um Blockaden zu lösen

Und Steve pusht uns noch weiter. Unnachgiebig stellt er bohrende Fragen. Fragen, was wir empfinden, wo wir die Emotionen wahrnehmen, welche Gefühle sich in uns aufbauen. Er agiert als eine Art Spiegel, als Projektion unserer Empfindungen. Mal nimmt er Vater- oder Mutterfigur ein, mal Beschützer, mal Feind. Je nachdem, was sich gerade in unseren Körpern entwickelt. Er reflektiert uns und gibt uns so die Möglichkeit, unsere dunkelsten Gefühle und Gedanken auszudrücken. Und mit dem Durchleben verlieren wir langsam die Scheu und beginnen wieder Herr über unsere Emotionen zu werden, anstatt sie weiterhin zu unterdrücken und von ihnen gelähmt zu sein.

Kontrolle abgeben

Und so fällt es mit jedem Mal leichter Gefühle und Emotionen zuzulassen. Vom Kopf in den Körper zu kommen. Sich von der Angst zu befreien, anstatt sie zu unterdrücken. Sich nicht mehr zu scheuen, sich gehen zu lassen und den Körper einfach loszulassen. Ihn machen zu lassen und die Kontrolle abzugeben. Den Moment zu leben, zu spüren, zu fühlen und alles anzunehmen was ist.

Und sollte es doch wieder zu einer Blockade beim Zusammensein mit unserem Partner kommen, dann sollten wir offen und ehrlich darüber sprechen. Innehalten, Geduld haben und vertrauen. Vertrauen darauf, dass unserer Körper sich wieder entspannen wird, wenn wir ihm die Zeit dazu geben und bereit sind, die Kontrolle abzugeben.