Die Masturbation der Frau

Die Masturbation der Frau ist inzwischen zum Glück allgemein anerkannt und Normalität. Doch trotzdem ist sie noch ein Mysterium für sich.

Oder hast du schon einmal deine beste Freundin gefragt, wie sie es sich am liebsten selber macht? Tupfen, zupfen oder doch lieber streichelnde Kreise? Massiert sie nur ihre Klitoris, dringt sie mit den Fingern ein? Liebkost sie auch ihre äußeren Vulvalippen? Wie oft masturbiert sie? Täglich, wöchentlich oder doch nur einmal im Monat? Liegt sie auf dem Bauch oder auf dem Rücken dabei?

Also ich habe meine beste Freundin bisher so etwas noch nicht gefragt.

Ein Workshop um meine Masturbation zu verbessern

Darum kenne ich nur meine eigene Masturbationspraxis und vielleicht noch das ein oder andere, was ich mal in irgendeinem der wenigen Bücher, die es dazu gibt, darüber gelesen habe. Und meine Masturbation ist durchaus noch ausbaufähig.

Grund genug also für mich den Workshop „Collective Masturbation“ von der wunderbaren Katharina von Liebelei zu besuchen. Ein Workshop, um meinen Masturbationshorizont zu erweitern und mich mit anderen mutigen Frauen, nicht nur darüber auszutauschen, sondern tatsächlich kollektiv zusammen zu masturbieren.

Der Masturbationsworkshop beginnt

Der Workshop fängt schon sehr passend an. Katharina hält uns an, neben dem, warum wir hier sind, zu teilen, wie wir unseren heiligen Raum bezeichnen und was unsere Yoni (Yoni ist der tantrische Begriff für die weiblichen Genitalien und bedeutet auch so viel wie Ursprung) jetzt sagen würde, könnte sie sprechen. Meine Yoni sagt, dass sie sich in letzter Zeit etwas vernachlässigt fühlt und sich daher freut hier zu sein.

Als Einführungsübung startet Katharina mit „Ein Satz“. Dabei liest sie einen Satz vor wie zum Beispiel „Ich masturbiere immer zu Fantasien“ oder „Ich masturbiere täglich“. Um so mehr Frau der Aussage zustimmt, so näher steht sie im Kreisinneren. Zum Schluss dürfen wir sogar eigene Sätze formulieren. Besonders schön finde ich dabei, dass ich mich bei keiner Aussage alleine fühle. Es gibt immer mindestens eine oder zwei Frauen, die einem Satz absolut oder gar nicht zustimmen. Das zeigt nur wieder, wie vielfältig die weibliche Sexualität doch ist. Und das alles normal ist.

In der Übung danach erläutern wir Frauen uns dann in kleinen Gruppen mit vorgegebenen Fragen unsere Masturbationspraxis noch näher. Auch hier kann ich einiges lernen und neue Perspektiven gewinnen.

Abschließend vor dem praktischen Teil, dürfen wir noch einmal alle Fragen, die uns auf dem Herzen liegen anonym loswerden, in dem wir sie auf einen Zettel niederschreiben. Einige dieser Fragen werden dann gemeinsam in der Gruppe besprochen. Spannend auch hier wieder für mich zu entdecken, dass ich meine Fragen bei anderen Frauen wiederfinden darf. Wie kann ich besser Lust kriegen? Was macht ihr, damit eure Orgasmen bei der Masturbation intensiver werden? Woher glaubt ihr kommen die Gewaltfantasien, die mir im realen Leben einfach nur Angst machen würden?

OMG – Die kollektive Masturbation

Nach einer kurzen Stärkungspause mit kleinen Snacks, und wer möchte auch mit einem Gläschen Sekt, geht es los mit dem praktischen Teil. Die Masturbation…

Ich merke wie mein Herz schneller schlägt und ich vor Aufregung ein bisschen unruhig werde. Aber was soll schon passieren? Wir sind alle mit Decken und Schlafmasken ausgestattet, so dass jede sich ihren eigenen Raum schaffen kann, ohne sich beobachtet zu fühlen.

Das Spiel beginnt

Damit wir etwas entspannter sind, lässt uns Katharina erst einmal wieder von unseren Matten aufstehen. Und wie ein schönes Vorspiel, beginnen wir zu tanzen. Uns zu schütteln. Lassen unsere Hüften kreisen. Den Körper mehr spüren. Raus aus dem Kopf, hinein in das Gefühl.

Als nächstes lernen wir uns mit unserem Atem zu verbinden und verschiedene Muskeln in unserem Unterleib anzuspannen. Den Muskel an der Klitoris, der Muskel beim Scheideneingang oder auch der Analmuskel. Beim Einatmen anspannen, beim Ausatmen loslassen.

Als wir uns dann hinlegen, fühlt es für mich gar nicht mehr so komisch an und ich habe tatsächlich durch die vorangegangen Übungen Lust bekommen, mich selber zu berühren.

Anleitung zum Masturbieren

Damit wir nicht in unsere ‘normale’ Masturbationspraxis verfallen, gibt uns Katharina noch weitere Anweisungen. Vom Massieren der äußeren Venuslippen, über Druck ausüben zwischen Scheiden- und Analeingang, bis zum Erforschen des weichen Gewebes unterhalb der Klitoris wird nichts ausgelassen.

Unter meiner Schlafmaske, begleitet von pulsierender Musik und den Anweisungen von Katharina, bekomme ich richtig Lust auf die Masturbation. Ich muss tatsächlich sogar aufpassen, dass ich nicht zu schnell komme. Zwei Mal breche ich abrupt ab. Daher bin ich im Prinzip schon fertig, als Katharina uns unserem eigenen Spiel überlässt. Doch anstatt mich jetzt darüber zu ärgern, wie ich es früher vielleicht getan hätte, nehme ich die Situation vollends an und liebkose einfach meine Vulva zärtlich weiter.

Im Anschluss bekommt jede von uns Zeit dem Erlebten nachzuspüren. Sich noch einen Moment für sich selbst zu nehmen.

Ich habe tatsächlich gerade mit 15 anderen Frauen gleichzeitig masturbiert und es hat sich gar nicht so merkwürdig angefühlt.

Abschließend, wer möchte, darf sich noch im kleinen Kreis über die Erlebnisse der letzten Stunden austauschen. Auch hier wird mir wieder bestätigt, wie vielfältig unsere Sexualität doch ist. Während sich die eine bei der Masturbation kaum entspannen konnte, hat sich die andere einfach nur vollkommen verbunden gefühlt.

Ein Workshop um die weibliche Masturbation zu erforschen

Auf jeden Fall ein absolut einmaliges Erlebnis, welches ich jeder Frau ans Herz legen kann, die ihre weibliche Masturbation noch mehr erforschen möchte. Die ausbrechen möchte, aus eingefahrenen Mustern und erfahren will, was sonst noch alles möglich ist.

Danke liebe Katharina von Liebelei, dass du diesen sicheren Raum geschaffen hast und uns die weibliche Sexualität und Masturbation nicht nur theoretisch, sondern real und praktisch, näher gebracht hast. Ich nehme von diesem Workshop unendlich viel mit. Danke.