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Es ist Mittwoch 11 Uhr und ich stehe aufgeregt vor der Frauenarztpraxis. Sonst sind Besuche beim Frauenarzt für mich recht entspannt, obwohl ich Arztbesuche generell nicht ganz so mag. Heute aber bin ich mega aufgeregt, weil ich zum ersten Mal über meine sexuellen Probleme mit meiner Ärztin sprechen möchte.

Zum Frauenarzt geht man nur, wenn man krank ist?

Ja, warum habe ich das nicht schon längst gemacht, wenn ich doch schon so viele Jahre darunter leide? Darunter leide, dass ich manchmal Probleme mit der Lust und Erregung habe, Schwierigkeiten mit dem Feuchtwerden, dem manchmal auftretendem Taubheitsgefühl meiner Vulva und vor allen Dingen meiner Unfähigkeit einen Orgasmus zu bekommen?

Naja, zum Arzt geht man ja eigentlich nur, wenn man krank ist. Das war zumindest jahrelang mein Glaubenssatz. Und so wirklich krank habe ich mich ja nicht gefühlt. Mein Körper hat schon irgendwie so halbwegs funktioniert und in der Regel hatte ich auch keine Schmerzen. Ich kann ja Sex haben. Meine Probleme fühlten sich eher wie Luxusprobleme an. Damit habe ich keinen Arzt belasten wollen.

Aber über die Jahre fing ich an psychisch darunter zu leiden. Sogar soweit, dass ich mich nicht mehr selber ohne Frust anfassen konnte und auch sexuelle Kontakte vermied. Darunter leidet natürlich auch eine Beziehung. Und so hatten meine kleinen Luxusprobleme zunehmend eine immer größere Außenwirkung.

Als ich den Entschluss fasste, wieder entspannter mit meiner Sexualität zu werden und auch meinen inneren Blockaden auf den Grund zu gehen, las ich auf den verschiedensten Seiten zu Sexualtherapien, dass man vorher ausschließen soll, dass organische Gründe die Ursache für die sexuellen Probleme sind. So, here I am. Fest entschlossen dahinter einen Haken zu setzen.

Die Untersuchung beim Frauenarzt

Nun sitze ich also vor dem Frauenarzt und bin total nassgeschwitzt. Obwohl ich nun schon einige Zeit immer wieder offen über meine Sexualstörung rede, fällt es mir doch nicht so leicht wie gedacht. Ich erläutere in kurzen, knappen Sätzen, was mich heute zu ihr geführt hat.

Meine Ärztin möchte mich zuerst untersuchen, bevor wir dann richtig über die Problematik sprechen. Also nehme ich auf dem bezaubernden Gynäkologenstuhl platz. Erst ein Abstrich, dann eine Ultraschalluntersuchung im 360-Grad-Turn durch meine Vagina.

Als ich wieder vor ihr sitze, erläutert sie mir, dass organisch und hormonell, da ich gerade meinen Eisprung hatte, alles in Ordnung ist. Danach erklärt sie mir, dass wir Frauen eben alle sehr unterschiedlich sind, und dass es wohl einfach zu meinem Charakter gehört, dass ich nicht so ein sexuell aktiver Mensch bin.

Ich fühle mich hilflos und nicht ernst genommen

Aber das stimmt doch gar nicht, versuche ich ihr zu klären. Ich bin super aufgeschlossen. Ich habe die Erotikmesse Venus besucht, allerlei Sexspielzeug ausprobiert, ich war im KitKat-Club und selbst einen Dreier kann ich zu meinen Erlebnissen hinzufügen. Also ich kenne da wesentlich verschlossenere Frauen. Aber sie lässt sich nicht beirren und stellt mir ein Mittel zur Unterstützung meiner Scheidenfeuchtigkeit vor.

Ich fühle mich hilflos und nicht ernst genommen. Ein dicker Kloß bildet sich in meinem Hals.

Anschließend erklärt mir die Ärztin, dass ich mir keinen Druck machen soll, masturbieren üben muss und durch Bücher oder Pornos meine Fantasie anregen kann. Also die üblichen Verdächtigen.

Zum Schluss merkt sie an, wenn das alles nicht hilft, dann könnte sie mich eventuell zu einem Psychologen überweisen, der mit mir versucht, die Ursachen für meine sexuellen Störungen zu finden. Meinen Einwand, dass ich doch schon seit 15 Jahren übe, weist sie entschieden zurück.

Ich resigniere frustriert und flüchte schon fast aus der Praxis. Wahrscheinlich hatte ich tief in mir doch gehofft, dass sie mir als anerkannte Ärztin irgendwie helfen kann. Mir eine Lösung aufzeigt, an die ich noch nicht gedacht hatte. Ich fühle mich unglaublich deprimiert. All die Frustration der letzten Jahre ist auf einmal wieder da. Wühlt mich auf, überschwemmt mich. Ich kann mich nicht wehren.

Der Besuch beim Frauenarzt ist wichtig

Ein paar Stunden später geht es mir wieder etwas besser. Mein Ziel, abzuklären ob hormonell und organisch alles in Ordnung ist, habe ich erreicht. Ich bin ja nicht primär zu ihr gegangen, dass sie jetzt mein Orgasmusproblem auf einen Schlag löst.  Dass kurzzeitig diese Hoffnung wieder aufflackert, ist nur menschlich und werfe ich mir jetzt nicht mehr vor. Ich möchte zu einer entspannteren Sexualität finden und das Wissen, dass mein Körper voll funktionsfähig ist, hilft mir dabei sehr.

Aus diesem Grund sehe ich den Frauenarztbesuch als elementar wichtig an. Nur so kannst du mit absoluter Sicherheit sagen, ob dein Körper organisch gesund und dein Hormonstand ausreichend ist. Jetzt kannst du ohne Einschränkungen andere Wege ausprobieren, die dir helfen, dich und deine Sexualität frisch zu definieren. Die dich unterstützen, deinen Körper und deine Sexualität neu zu entdecken. Wege, welche dir mehr Freiheit und Freude in deinem Sexualleben schenken.