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Es tut weh, ich bin noch nicht bereit

Es ist Sonntagmorgen. Wir liegen aneinandergekuschelt im Bett. Es dämmert langsam und ich schließe wieder meine Augen. Möchte noch ein bisschen vor mich hindösen und die Ruhe genießen, als ich deine Hand spüre. Wie sie vorsichtig unter mein T-Shirt gleitet und zu meinen Brüsten hinaufwandert. Ich bewege mich nicht, als du anfängst meine Brüste zu streicheln. Ich kann es nicht genießen, denn ich weiß, was als nächstes kommt. Dabei möchte ich doch einfach nur noch ein bisschen in deinen Armen liegen, gehalten werden und weiterschlafen.

Deine Hand streicht zart über meinen Bauch und schiebt sich kurz später in meine Hose. Du beginnst meine Vagina zu liebkosen, ich stelle mich schlafend. “Oh man, jetzt hatten wir schon zwei Wochen keinen Sex mehr und nächste Woche kriege ich meine Regel, dann müsste ich doch jetzt eigentlich mal wieder.”

Die Gedanken überschlagen sich in meinem Kopf, mein Körper bleibt bewegungslos liegen. Ich ringe mit mir. Habe Angst dich wegzustoßen, habe Angst zu sagen, dass ich keine Lust habe, nicht, dass du dann böse auf mich bist und mich vielleicht irgendwann verlässt, weil ich zu selten Sex mit dir habe.

Die Angst dich zurückzuweisen ist stärker, also lasse ich mich von deinen Händen überreden. Gebe mich geschlagen und tue so, als ob ich gerade erst aufwache.

Langsam fange ich an meine Hüften zu bewegen und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis ich auch nur ein klein wenig feucht werde. Zeichen für dich genug, um es jetzt ganz zu probieren. Du versuchst in mich einzudringen. Aber es ist schwierig. Ich bin noch super eng und kaum feucht. Also nimmst du ein bisschen Gleitgel zur Hilfe. Ich lasse es geschehen. Als du in mich eindringst, versteife ich mich, es tut weh, ich bin noch nicht bereit, bitte dich nur, es nicht zu schnell zu machen. Du bist vorsichtig und langsam weitet sich meine Vagina. Langsam ist es erträglich…

Wie bescheuert ist das denn bitte?

Wir kennen uns erst kurz. Heute Abend ist unser drittes Date. Wir treffen uns bei dir und du kochst für uns. Wir trinken Wein, lachen zusammen und unterhalten uns herrlich. Du wirst touchy. Ich mag dich und so genieße ich deine Berührungen. Ich bin ein wenig schüchtern, als sich deine Lippen den meinen nähern. Es fühlt sich gut an. Du schmeckst gut. Ich küsse dich gerne. Wir ziehen uns ins Schlafzimmer zurück. Es ist schön…

Dann liegen wir nebeneinander und du möchtest, dass ich noch deinen Penis massiere. Das mache ich gerne, auch wenn ich jetzt ein wenig erschöpft bin. Ich genieße deine Nähe. Als du mich fragst, ob ich deinen Hals lecken kann, denke ich mir nichts dabei.

Nach kurzer Zeit möchte ich dich wieder küssen, aber du möchtest, dass ich weiter deinen Hals ablecke. Einfach nur lecken, nicht knappern oder küssen, nur lecken. Wie an einem Eis. Ich komme mir ganz schön dämlich vor und fange an dich merkwürdig zu finden. Langsam fängt auch meine Zunge an weh zu tun. Ich habe keine Lust mehr, aber du scheinst die Kombination aus Penis massieren und lecken sehr zu genießen. Du fängst sogar an, deinen Penis selber anzufassen, ich soll nur weiter lecken. Also liege ich in deinem Arm, du masturbierst und ich lecke an deinem Hals. “Wie bescheuert ist das denn bitte?”

Ich zähle die Minuten und Sekunden bis du endlich kommst. Du fragst mich lächelnd, ob ich es auch so schön fand. Ich murmle nur „Mmh“, und denke mir, “schön merkwürdig”.

Als du mir schreibst, verspüre ich keine Lust mehr dir zu antworten. Ich verzögere immer wieder das nächste Treffen, bis ich mich endlich traue, dir zu sagen, dass ich mich nicht mehr nach dir sehne, dass ich dich nicht wiedersehen möchte. Dabei habe ich doch nichts zu verlieren. Ich möchte dich, ja sowieso nicht mehr treffen. Also warum fällt es mir so verdammt schwer?

NEIN sagen ist schwer

NEIN sagen, oder zu sagen, was ich möchte und was mir gefällt, fällt mir definitiv schwer. Ich weiß gar nicht so genau warum. Vielleicht wurde ich zu sehr so erzogen, dass ich ein kleines, liebes, braves Mädchen sein soll. Vielleicht habe ich mir gemerkt, dass ich die meiste Aufmerksamkeit bekam, wenn ich vorbildlich war und gute Leistungen erzielte. Tat ich etwas, was Unwillen auf mich zog, wurde ich mit Missachtung bestraft.

Also wollte ich immer die perfekte Freundin sein, die nie zickig war, hervorragend im Bett, auf die man sich immer verlassen konnte. Darin war ich gut, aber ich selbst blieb dabei oft auf der Strecke. Ließ Dinge über mich ergehen aus Angst vor Verlust und Missachtung. Heute weiß ich, dass das falsch ist.

Heute weiß ich, dass wenn mein Freund mich wirklich liebt, dass ich ihm auch ehrlich sagen kann, wenn ich keine Lust habe, denn halbherziges, über sich ergehen lassen, wird ihm langfristig auch nicht die tierische Freude bereiten (auch wenn ich glaube, dass ich immer recht gut im Schauspielern war).

Und meinem Date wäre es vielleicht auch lieber gewesen, ich wäre gleich mit der Wahrheit herausgerückt, denn dann hätte ich vermutlich nicht diese Aversion gegen ihn entwickelt. Ob er ohne das Lecken weiter mit mir Sex oder eine Beziehung haben hätte wollen, sei jetzt mal dahingestellt.

Werde dir bewusst, wann deine Grenzen überschritten werden

Früher war mir nicht einmal bewusst, wie oft ich da meine Grenzen überschreiten ließ. Ich habe mich einfach nur mies gefühlt und habe es mir teilweise sogar noch selber vorgeworfen, dass ich mich so zimperlich anstelle. Das passte nicht in mein Bild des perfekten Funktionierens.

Heute weiß ich zumindest, dass es falsch ist und, dass es auch nichts mit Kompromissen zu tun hat, wenn man ständig Dinge über sich ergehen lässt, die man so gar nicht möchte. Nein sagen können gehört auch zu einer gesunden Selbstliebe.

Trotzdem fällt es mir immer noch unglaublich schwer, so etwas auszusprechen und Nein zu sagen. Und wenn es nur darum geht, dass man zu müde ist, sich noch mit der besten Freundin zu treffen. Da wird dann lieber die Arbeit vorgeschoben, anstatt die Wahrheit zu sagen, so dass es bloß nicht auf einen selbst zurückfällt. Dann ist die Freundin lieber auf die Arbeit sauer, als, dass sie sich durch mich abgelehnt fühlt. Aber was ist mit mir? Warum kann ich nicht für mich und meine Bedürfnisse einstehen?

Ja, ich habe schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht, wenn ich mich offenbart habe. Dann wurde ich für zu sensibel oder penibel oder neurotisch gehalten. Aber dann waren es ja offensichtlich auch die falschen Männer für mich. Denn ich glaube, wenn ein Mensch wirklich Interesse an dir hat, dann lässt er sich dadurch nicht verschrecken.

Und so übe ich es im Kleinen. Ich gehe bei der Arbeit pünktlich, wenn ich fertig bin, ich sage der Freundin ab, wenn ich mich nicht danach fühle, und ich sage meinem Freund… Nein, so einfach ist das leider nicht. Deswegen bin ich auch gerade Single und es fällt mir schwer Männer wieder an mich heranzulassen. Ich vertraue mir noch nicht genug, dass ich auch wirklich meine Grenzen verteidigen werde. Dass ich Nein sage, wenn ich keine Lust auf Sex habe. Ich habe Angst meine Freiheit und Unabhängigkeit wieder zu verlieren. Nicht stark genug zu sein. Aber ich glaube, dass ich das überwinden kann. So übe ich weiter im Kleinen, um auf das Große vorbereitet zu sein. Und dabei bin ich lieb zu mir, wenn ich es doch einmal nicht schaffe. Wir können erst richtig NEIN sagen, wenn wir uns selber achten, lieben und vertrauen. Und daran arbeite ich.